SBK: „Die EURO MOTO ist eine geile Serie mit Kämpfen“

Markus Reiterberger ist vierfacher IDM Superbike-Champion. Er ist in die Weltmeisterschaft aufgestiegen, hat die Konkurrenz in Asien in Grund und Boden gefahren und kehrt jetzt doch wieder zu den Wurzeln zurück. Der 31-jährige Bayer aus Obing, den alle „Reiti“ nennen, startet im BMW-Team von Werner Daemen in der Klasse EURO MOTO Superbike, dem europaweit aufgewerteten IDM-Nachfolger. Im Interview erklärt er seine Motivation und was ihn neben der Strecke noch antreibt.

Sie haben vier Superbike-Titel in der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft gewonnen. Was treibt Sie noch an? Müssen Sie etwas beweisen?
Neben meinen Langstrecken-Einsätzen in der EWC war ich letztes Jahr auch Superbike-WM-Testfahrer bei BMW für Toprak Razgatlioglu und Michael van der Mark. Das war ein sehr spannender, anspruchsvoller Job. Aber ich muss ehrlich sagen, dass auch ich selbst auch noch Rennen fahren kann und will. Bezüglich der EURO MOTO ist Teamchef Werner Daemen auf mich zugekommen. Ich hatte die Serie verfolgt und gesehen, wie überlegen Lukas Tulovic auf der Ducati war und die BMW´s etwas ins Straucheln geraten waren. Da habe ich mir gedacht, es ist eine Aufgabe für mich, das wieder in Ordnung zu bringen.

Reiti und BMW sind wie Topf und Deckel. Warum haben Sie nie einen Markenwechsel in Erwägung gezogen, um sich neu beweisen zu können?
Die Frage bekomme ich öfter. Die Antwort ist relativ einfach. Ich hatte mehrmals die Möglichkeit zu wechseln und war auch mehrmals kurz davor. Aber was mich immer wieder bei BMW gehalten hat, war das Werk selber, aber auch das Drumherum. Mein ganzes Umfeld, mein ganzer Rennsport hat sich immer um BMW, um Alpha Racing und um die Zusammenarbeit mit Werner Daemen gedreht. Das hätte ich bei einem Markenwechsel alles verloren. Mir ist bewusst, dass ich nur so stark bin, weil ich diese Leute um mich habe. Es hat mir immer Spaß mit ihnen gemacht und meiner Meinung nach ist das Rennfahren ein Teamsport. Zweimal habe ich das Team gewechselt. Das war in der Superbike-WM und ich habe richtig schlechte Erfahrungen gemacht. Da habe ich mir geschworen, dass ich aus Werners Team nicht mehr woandershin wechsle, wenn ich mich nicht wirklich schlecht fühle. Ich stand erst kürzlich wieder vor der Entscheidung, denn ich hatte ein recht gutes Angebot als Superbike-Testfahrer von einem anderen Hersteller. Doch dann haben BMW, Werner Daemen und ich ein Paket für die Langstrecken-WM wie auch für die EURO MOTO geschnürt.

Lukas Tulovic wird den Superbike-Titel in der EURO MOTO auf Ducati verteidigen wollen. Haben Sie beobachtet, an welchen Stellen Sie ihn schlagen können?
Boah, das ist schwer zu sagen. Ich war nie vor Ort, ich hab das nur online verfolgt. Mir ist aufgefallen, dass er saustark war und ich kenne auch die Aussagen von Konkurrenten. Das Paket war sehr gut und das Reglement kam der Ducati ein bisschen mehr entgegen als für die anderen Hersteller.

Was halten Sie von der Entwicklung der Serie in den letzten Jahren?
Die IDM und jetzige EURO MOTO ist auf einem richtig ansteigenden Level. Wenn wir schauen, wer dabei ist, dann sind da absolute Hochkaräter auf der Liste. Das ist nicht wie 2017 oder 2022, als ich ein oder zwei Gegner hatte. Das ist jetzt wieder vergleichbar mit 2014, 2015, wo wir gegen das Team von 3C-Carbon mit Xavier Forés, Lorenzo Lanzi und Max Neukirchner auf WM-Niveau gefahren sind. Das ist jetzt wieder eine richtig geile Meisterschaft, wo man sich richtig bekämpfen kann. Viele Leute denken zwar, ich mache einen Rückschritt, wenn ich in EURO MOTO antrete, aber das sehe ich nicht so. Es handelt sich um eine Europameisterschaft in extrem guter Verfassung.

„Ich stand erst kürzlich vor einem Markenwechsel, dann haben mir BMW und Werner Daemen ein gutes Paket geschnürt“

In der Superbike-WM waren Sie mäßig erfolgreich unterwegs. Haben Sie die Ergebnisse abgehakt?
Es kommt immer mal wieder hoch. 2016 war die Blütezeit in meiner Karriere, nachdem ich 2015 so stark und schnell und fit wie noch nie war. Aber ich hatte keine Chancen in der WM. 2017 habe ich das mit einer größeren Besatzung wiederholt und bin mental in eine Sackgasse geraten. Das Fahren hat keinen Spaß mehr gemacht. Nach drei Rennen habe ich hingeschmissen und bin zurück in die IDM gegangen. Ehrlich: Da versuchst Du Dein ganzes Leben lang in die WM zu kommen und dann ist alles gar nicht so, wie Du dachtest. Du bist eine Nummer und musst mit dem zurechtkommen, was Du vorfindest. Es war nicht wie in der IDM oder in den früheren Teams, dass an jedem Detail gearbeitet wurde oder das Motorrad exakt an Dich angepasst wurde. Da gab es nur: Friss oder stirb. Das waren damals die Gegebenheiten. Es war auch nur ein klein gehaltenes Team mit wenig Werksunterstützung. Das hat dann halt einfach nicht gereicht.

In der Asia Road Racing Championship haben Sie die Gegner in Grund und Boden gefahren und wurden erfolgsbezogen entlohnt. Wie haben Sie das Geld angelegt?
Ich habe bis heute kein Geld erhalten. Was ich bis heute noch niemandem gesagt habe: Das Ganze ist zum Rechtsstreit eskaliert, den wir gewonnen haben. Ich bin damals dort gefahren, weil Alpha Racing in dem asiatischen Team involviert war. Ein starker und am besten deutschsprachiger Fahrer wurde gesucht. Ich bekam einen guten Vertrag. Preisgeldbasiert, also stark erfolgsabhängig, und mit wenig Grundgehalt. Mit der Unterstützung von BMW und Alpha Racing hat es immer gepasst, aber der Teamchef hat mich mit dem Preisgeld versetzt. Zeitweise war er verschollen, wurde aber aufgefunden und soll jetzt zahlen. Trotzdem wiege ich mich noch nicht in der sicheren Hoffnung, dass das was wird.

Wann Sind sie ihr letztes Superbike-Rennen gefahren?
Im September 2024 im ROKiT BMW Motorrad WorldSBK Team als Ersatz für den verletzten Toprak Razgatlioglu. Ich bin in Cremona auf den Plätzen 14 und 15 ins Ziel gekommen.

Ist es richtig, dass Sie das Tuning-Geschäft von Ralf Waldmann übernommen haben?
Als Nachbarn haben wir bei ihm und bei uns daheim zusammen viel an Kreidler-Motorrädern geschraubt. Als er gestorben ist, habe ich sein Sortiment zu meinem dazugenommen und mir damit ein zweites Standbein neben dem Rennsport aufgebaut. Für mich stand fest, das Ganze muss weiterleben. Seitdem mache ich Moped-Tuning, Restaurationen, Abstimmungen hauptsächlich von Zweitaktern, Kreidler und alles, was es so gibt. Oder Rennauspuffe, die auf dem Prüfstand abgenommen werden und TÜV- konform offiziell auf der Straße gefahren werden dürfen. Mit meinem Vater habe ich unseren alten Bauernhof renoviert und eine Werkstatt gebaut. Mein drittes Standbein ist das CNC-Fräsen. Die Maschine dafür habe ich mir vor ein paar Jahren gekauft. So sieht mein Aufgabengebiet neben dem Rennsport aus.

Könnten Sie davon Ihren Lebensunterhalt bestreiten?

Damit bin ich so ausgelastet, dass ich das alleine kaum bewältigen kann. Ja, ich könnte davon leben. Diese Zukunftssicherheit war mir auch wichtig. Ich bin nicht abhängig vom Rennsport. Weil meine Eltern immer gesagt haben, du machst einen Schulabschluss. Du machst eine Lehre. Das habe ich alles absolviert und bin Motorradmechaniker geworden. Ich wollte nicht der Rennfahrer sein, der da irgendwann mal im Arsch ist und ohne alles dasteht.

Sie haben seit zwei Jahren eine kleine Familie gegründet. Wie hat sich Ihr Leben nach der Geburt von Valentina verändert?
Ich musste mich zeitlich neu aufstellen. Weil ich mit zwei oder besser gesagt drei Berufen schon relativ eingespannt war. Dann kamen noch der Hofumbau und der Hausbau dazu. Ich versuche den Tag so einzuteilen, dass ich entweder Früh- oder Spätschicht mache oder beides. Weil ich selbstständig bin, lässt sich das ganz gut einteilen. Aber ich kann mich schwer von meinen zwei Mädels zu Hause trennen kann und setze alles daran, jeden Tag ein paar Stunden Zeit mit ihnen zu verbringen. Zum Abendessen will ich daheim sein und der Sonntag ist ein reiner Familientag geworden.

Hat Valentina ein Schaukelpferd oder ein Schaukelmotorrad?
Beides. Ich habe auch noch ein kleines Fahrerlagermoped. Auf den Tank habe ich ein Tankpad gebaut und drunter eine Fußrastenanlage. So fahren wir mit der 50er zu den Eseln und den Schafen bei uns am See, von denen sie so begeistert ist, kaufen uns ein Schoko-Eis und fahren wieder heim.

Silvester-Kracher: Mega-Trips, viel Essen, kaum Böller

Guten Rutsch, aber wie feiern unsere EURO MOTO-Fahrer eigentlich wirklich ins neue Jahr? Wir haben uns beim Countdown in Richtung 2026 spontan umgehört und nicht schlecht gestaunt.

Markus „Reiti“ Reiterberger ist am letzten Tag des Jahres voll beschäftigt. „Wir Kumpels machen traditionell unseren Kreidler-Fahrer-Obing-Ausflug. Ziel ist ein Freund von mir. Der hat eine Schreinerei und da setzen wir uns rein und trinken das bayrische Grundnahrungsmittel und essen „Weisswürscht“. Am Nachmittag fahren wir noch eine weitere kleine Runde mit dem Moped – ganz egal bei welchem Wetter. Abends feiere ich Silvester mit meiner kleinen Familie. Es gibt ein Kinderfeuerwerk. Zum Essen machen wir Raclette. Was man da alles reinschieben kann, weiß ich jetzt nicht wirklich, aber es ist viel.“ Reiterberger und seine Lebensgefährtin sind seit zwei Jahren Eltern der kleinen Valentina.

Für Daniel Rubin ging es richtig weit weg, nämlich nach Chile, wo ein Teil der Familie seiner Freundin zu Hause ist. „In der Silvesternacht sind wir in Viña del Mar, da gibt es ein riesiges Feuerwerk auf dem Meer. Die Familie hat ein Apartment, in dem gemeinsam gefeiert, gegessen und getrunken wird. Zum Beispiel Pastel de Choclo und Pisco Sour.“ Das eine ist ein Maisauflauf, das andere ein Cocktail auf der Basis von Traubenschnaps.

Superbike-Vize Forian Alt stößt genauso etwa 12.000 Kilometer Luftlinie von zu Hause entfernt aufs neue Jahr an, aber treffen wird er Daniel Rubin nicht. Denn der Honda-Star ist statt ins südamerikanischen Chile ins asiatische Indonesien abgehoben. Auf dem größten Inselstaat der Welt hat er bereits im Dschungel übernachtet. Mit Ehefrau Kimberly wird er das neue Jahr in Medan begrüßen. Die Stadt befindet sich auf der Insel Sumatra, genauer gesagt im Nordosten der Insel. Wenn wir hier in Deutschland das neue Jahr begrüßen, ist das in Indonesien schon längst passiert. Die Zeitverschiebung beträgt sieben Stunden im Voraus.

Ganz in Familie bleibt der zweifache Supersport-Champion Andreas Kofler. „Wir feiern im kleinsten Kreis mit den Eltern. Und die Freundin meines Bruders ist dabei. Es gibt Raclette und vielleicht ein paar gemeinsame Gesellschaftsspiele. Nichts besonderes, aber schön.“

Christof „Fifty“ Höfer sendet Grüße aus dem Süden Europas. Er ist in Spanien, genau genommen in Andalusien, unweit der Tabernas-Wüste. Er residiert mit seinen Race-Camp-Teilnehmern an einem traumhaften Sandstrand und feiert im Rahmen der Bike Promotion Events im Irish Pub des Hotels. „Es ist eine Mischung aus Menschen, die man zum Teil vorher gar nicht kannte oder eben auch seit einer gefühlten Ewigkeit. Man kann sich eigentlich nur wohlfühlen.“

Bei der Familie Orgis mit dem Brüderpaar Leon und Kevin geht der Jahreswechsel ruhig über die Bühne. „Edgar“ ist nämlich der Chef im Ring. Der Familienhund kann Böllern und Raketen gar nicht leiden. Also bleibt es eher ruhig. Traditionell wird sich die Zeit bis Mitternacht mit Raclette vertrieben, bis alle satt sind.

Fleisch und Gemüse in den kleinen Pfännchen kommt auch auch in Dresden bei Supersportler Lennox Lehmann auf den Tisch. Wer den sächsischen Wirbelwind kennt, vermutet danach eine wilde, zumindest quirlige Party. Aber falsch gedacht. Lehmann junior bleibt ganz entspannt zu Hause.

Superbiker Marco Fetz und seine Freundin sind seit diesem Jahr stolze Besitzer eines Eigenheims. Und das wird jetzt mit acht Freunden noch einmal eingeweiht. Was es zum Essen gibt? Einmal darf geraten werden: Raclette.

Unter spanischer Sonne lässt es Patrick „Pax“ Hobelsberger krachen. Aber nur im erweiterten Sinne. „In Almeria gibt es ziemlich viele Hunde und da wird wenig Lärm gemacht. Wir haben unseren auch dabei. Niemals ohne! Special Effects wird es deshalb keine großen geben. Was es zu essen gibt, weiß ich noch nicht, aber es sollte Kraft geben, denn am 1. Januar 2026 steht für mich das erste Rennradtraining an.“

Pro Superstock-Fahrer Paul Fröde ist ein Wiederholungstäter, wenn er den Jahreswechsel mit Freundin und Freunden in einer kleinen Location in Chemnitz in Angriff nimmt. „Wir sind etwa 15 Leute. Für die Stimmung gibt es ein bisschen Musik. Viel Böllern werde ich nicht. Das ist nicht so meins.“

Richard Irmscher feiert ganz gemütlich mit seiner Familie ins neue Jahr hinein. „Ich werde essen, was auf den Tisch kommt. Vom Böllern halte ich nichts. Ich finde das einfach nicht nötig. Ich sehe den anderen Leuten zu, dann passt das.“ Irmscher ist sechzehn Jahr jung und hat 2025 das erste Jahr in seiner Supersport-Karriere absolviert.

Das EURO MOTO-TEAM wünscht den Fahrern, Teams und Freunden der Meisterschaft alles Gute für das neue Jahr und einen megastarken Start in die neue Rennsaison.

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